30.01.2018

Artenretten ist Aufgabe für jede Stadt – Grüner Neujahrsempfang setzt Akzente für Lemgo

 Jede Stadt und jeder Mensch kann konkret etwas für den Artenschutz tun – dies war die Schlussfolgerung auf dem gut besuchten Neujahrsempfang der Lemgoer Grünen im Café Vielfalt. Ortsverbandsvorsitzende Gertrud Lehmann und Fraktionsvorsitzender Dr. Burkhard Pohl begrüßten auch mehrere Gäste aus Umwelt- und Naturschutzverbänden.

Oliver Krischer, grüner Experte und frischgebackener stv. Fraktionschef im Bundestag, referierte über bundesweite Perspektiven für den Artenschutz. Krischer beschrieb das bedrohliche Verschwinden der Artenvielfalt und stellte fest, dass das Sterben der Tierwelt heute ernst genommen werde: „Die Zeiten sind vorbei, dass man für das Thema Insekten belächelt wurde.“ Das Scheitern von „Jamaika“ sei umso bedauerlicher, als man etwa beim Umgang mit Glyphosat auf einem guten Wege gewesen sei; nach dem Scheitern der Verhandlungen habe die CSU einfach eine Verlängerung durchgedrückt. Für den Naturschutz im Alltag konnte Krischer ein eigenes Beispiel anbringen: Als „Bienenpate“ kümmert er sich hochoffiziell um die am Berliner Paul-Löbe-Haus aufgestellten Bundestags-Bienenstöcke.

Jürgen Braunsdorf von der Stabsstelle Biodiversität des Kreises Lippe berichtete von der 1. Lippischen Artenschutzkonferenz. Diese habe erstmals alle Akteure konstruktiv zusammengebracht. Er zeigte sich guten Mutes, dass für Lippes Fauna und Flora eine gemeinsame Strategie entwickelt werde. Braunsdorf hatte auch für Lemgo einige Vorschläge dabei: Ein wichtiges Anliegen ist die Wiederherstellung der Acker- und Wegeränder als „Buntstreifen“; dafür sollen Gespräche zur Sensibilisierung der meist kommunalen Wegeeigentümer und den bewirtschaftenden Landwirten aufgenommen werden. Schließlich empfahl er auf weitere Zerschneidungen der Naturräume zu verzichten – was einen Anwesenden zum Zwischenruf „auch im Ilsetal!“ veranlasste. Auch könnte sich Lemgo dem bundesweiten Städtebündnis für Artenvielfalt anschließen, dem bislang 126 Kommunen angehören. Lobend hob Braunsdorf die im Lemgoer Stadtgebiet durch Stadt und Kreis angelegten Blühflächen hervor.

Im Gespräch mit den Besuchern nahmen Krischer und Braunsdorf zu weiteren Punkten Stellung: Das Brennen von Lampen töte nachtaktive Insekten, so dass es geeignete Beleuchtung brauche. Wer neue Blühflächen anlegen wolle, müsse die richtigen Sorten aussuchen. Steingärten verhinderten hingegen eine lebendige Natur. Doch ein großes Problem bleibt der Flächenverbrauch von rund 65 Hektar täglich in Deutschland: Hier dürfe es kein „Weiter so“ geben, so Krischer und Braunsdorf unisono.

Für die musikalische Gestaltung sorgte Erfan Amiri aus Lage mit selbstgeschriebenen Stücken.

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